Westfälische Nachrichten, 27. Oktober 2008
Liebe zur Romantik gepaart mit sicherer
Spieltechnik
Menachem Har-Zahav
überzeugte mit seiner facettenreichen Interpretation.
(Foto:
-weze-)
Lüdinghausen. Schon zum zweiten Mal ist Menachem
Har-Zahav im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen aufgetreten. Der nahezu voll
besetzte Saal mit etwa 145 Besuchern zeigte am Sonntagabend, dass Har-Zahav sich
hier großer Beliebtheit erfreut, und die Standing Ovations am Schluss belegten,
dass seine Musik und wie er sie darbrachte bei den Zuhörern ankam; der Künstler
bedankte sich mit einer Zugabe.
[...] Bei seiner Liebe zur
Romantik, die immer im Mittelpunkt seiner Stücke stand, reichte sein
Konzertprogramm vom Spätbarock Domenico Scarlattis bis zur „Rhapsody in Blue“
von George Gershwin, bei der er in seiner eigenen Bearbeitung den Part eines
ganzen Orchesters übernahm. Dabei suchte man bei dem Ausnahme-Künstler nach
Notenblättern während seines ganzen Vortrags vergebens.
Als er die Bühne
betrat, wirkte er ein wenig ernst, ja schüchtern und brachte auch erst zum
Schluss ein Lächeln auf sein Gesicht. Absolute Ruhe ausstrahlend, eröffnete der
Meister seinen Vortrag mit drei Sonaten Scarlattis in d-Moll, L 422, E-Dur, L.
430 und A-Dur, L-345. Spannend war vor allem, wie der Künstler anschließend
einen stimmigen musikalischen Bogen von Beethovens Mondscheinsonate über
Gershwin zu Chopin, Debussy und Liszt spannte. Beim ersten Satz der
Mondscheinsonate blieb er bei der oft gehörten melancholisch verträumten
Interpretation mit effizienten, aufs Minimum reduzierten Bewegungsabläufen:
Sanft, kaum merklich bewegten sich die Finger, dennoch entlockten sie dem
Instrument technisch brillant das berühmte Adagio. Dann beim Presto agitato
flogen seine Finger über die Tastatur, sodass die einzelnen Töne fast zu einer
Klangfläche zu verschmelzen schienen.
Nach der Pause ging es mit Chopins
„Ballade in g-Moll“ weiter. Die drei kurzen Preludes „La plus que lente“,
„Danse“ und „L'isle Joyeuse“ von Debussy erklangen in sorgfältig abgestimmten
dynamischen Nuancen. Das Programm endete mit der Eigenbearbeitung des
Totentanzes von Franz Liszt, den der ungarische Komponist eigentlich für Klavier
und Orchester geschrieben hatte. In diesem Stück, bei dem der Tod als dämonische
Macht auftritt, beschwor Har-Zahav in seiner facettenreichen Interpretation
genau diese unheimliche Macht mit seiner absolut sicheren Spieltechnik, die an
die Grenze des Machbaren reichte. Der wunderschöne Konzertabend endete mit
langem und verdientem Applaus für einen meisterhaften Solokünstler.Werner
Zempelin
Heilbronner Stimme, 8.Dezember 2008Mit der individuellen Note
Von Monika Köhler
Heilbronn - Wie von einem Impuls getrieben, ergießen sich die drei
Scarlatti-Sonaten über die Tastatur des Flügels: mit Melancholie, an
Perlenschnüren aufgereiht, wie ein warmer Sommerregen.
Stets inspirierende Finessen offenbarend, wählt Menachem Har-Zahav den
italienischen Barock-Komponisten im Wilhelm-Maybach-Saal der Harmonie als Entree
zu Beethovens „Mondschein-Sonate“. Diese beginnt der [...] israelisch-amerikanische Pianist angenehm verhalten, bevor er die
Klangebenen aufblättert. Anrührend lyrisch der Mittelsatz, mit Spielfreude das
Presto, das Har-Zahav mit Akkuratesse als Spaziergang der rechten und gutmütiges
Gurgeln der linken Hand, mit sich aufbäumenden Sechzehnteln, unglaublich
präzisen Läufen und Trillern brillant gestaltet.
Dass bei dem bei Essen lebenden Pianisten, der als Orchesterbegleiter und
Solist in den USA und Europa Erfolge feiert, Technik und Ausdruck eine Einheit
sind, zeigt sich auch bei Gershwin. Seine sprechende „Rhapsody in Blue“ erhält
mit rhythmischen Akzenten, feinen Melodiefäden, beherzten Glissandi und
gezieltem Pedaleinsatz eine individuelle Note - ein sinfonisches Feuerwerk mit
Jazz-Anklängen, das die Illusion eines Dialogs mit dem nicht vorhandenen
Orchester weckt.
Markanter Schluss
Mit Kontrasten gestaltet Har-Zahav,
dessen Name „Goldberg“ bedeutet, Chopins Ballade g-Moll und drei Stücke von
Debussy: romantisch verspielt, glühend und als glitzerndes Sternenfunkeln.
Liszts „Totentanz“ in einer eigenen Klavier-Bearbeitung ist der markante Schluss
als tiefschwarzes Nachtstück: mit Stampfen, Eruptionen und Vergänglichkeit
spiegelnden Soloklängen, die die trauervolle Musik aus dem Fluss heraus fast zum
Erliegen bringen.
Eine Zugabe und großer Applaus von den Zuhörern, die für das Wagnis,
einen hier weniger bekannten Solopianisten zu hören, reich belohnt
wurden.
WAZ Bottrop, 10.11.2008
Totentanz mit Tonrasanz
Der israelisch-amerikanische Pianist Menachem
Har-Zahav gibt sein hiesiges Debüt im Kammermusiksaal: Werke von Scarlatti,
Gershwin, Beethoven, Debussy, Liszt u.a.
Er durchschritt in zwei Stunden drei Jahrhunderte europäischer und
amerikanerischer Musikgeschichte im Spezialfall Klavier. Menachem Har-Zahav, ein
introvertierter, sachlicher, uneitler und ganz dem Werk verpflichteter Pianist,
setzte in seinem Soloprogramm im Kammermusiksaal auf dramaturgische Sprünge: von
Scarlatti über Beethoven zu Gershwin, nach der Pause von Chopin über Liszt zu
Debussy.
Auf dem Kopf die Kippa, zeigte sich der jüdische Musiker als konservativer,
sogar religiös inspirierter, Musik human auswertender Geist mit virtuosem Furor.
Denn bei Franz Liszts „Totentanz” in der eigenen Bearbeitung für Klavier, aber
auch in George Gershwins Geniestreich „Rhapsody in Blue” verließ der junge
Solist israelisch-amerikanischer Herkunft die braven, unspektakulären Pfade, um
die Kompassnadel auf Rasanz, Heftigkeit und Temperament zu stellen. Hier rief er
die Mittel lebhafter Gestaltung und feurigen Aufruhrs ab - technisch ziemlich
brillant übersetzt. Aber auch in diesen Werken blieb er fast emotionslos. Man
wartete, das galt auch für andere Programmpunkte wie zum Beispiel bei Ludwig van
Beethovens Mondschein-Sonate, auf den besonderen Ton, die subjektive Nuance.
Hell, kompakt, zuweilen auch im drängenden Rubato entdeckte er die jeweilige
Substanz. Die beiden intensivsten Stücke: Frederic Chopins g-moll-Ballade und
dreimal Meisterliches von Claude Debussy mit impressionistischer Atmosphäre -
kein leeres Tongeglitzer, sondern poetisch gefüllte und gefühlte Kompositionen
in romantischer oder schon reichlich moderner (Debussy) Prägung.
Die Höllenfahrt des „Totentanzes” geriet ihm zum makaber-fulminanten
Variationszylus über das klassische Dies-irae-Motiv (Tag des Zorns). Der zum
Finale gefeierte Gast, der schon einige CD-Einspielungen vorweist, knüpfte in
seiner Zugabe an die Lisztsche Klangwelt an: „La Campanella” als überraschend
vielseitige Paraphrase über eine populäre Melodie, die der ungarische,
weltläufige Komponist so delikat wie trumphal auskostete. Menachem Har-Zahav
blieb jedoch wieder dem Stil großer Bescheidenheit treu. (Hans-Jörg Loskill)
Trierischer Volksfreund, 12.Februar 2008
Tiefe und Empathie
Konz.
(gkl) Schon einige Male ist Menachem Har-Zahav im Kloster Sankt Bruno
mit Klavierrecitals in Erscheinung getreten. Der nahezu voll besetzte
Saal in Konz-Karthaus zeigte, dass Har-Zahav sich dort großer
Beliebtheit erfreut und die ausdauernden Beifallskundgebungen,
teilweise schon vor der Pause mit vereinzelten Bravorufen durchsetzt,
belegten, dass seine Musik bei den Zuhörern ankam.
Was
man bisher von Har-Zahav kannte, war sein Virtuosentum, mit dem er
faszinieren konnte. Kaum eine technische Schwierigkeit, die er nicht
bewältigen konnte. Teilweise wählte er Tempi, in denen die Musik fast
schon unterzugehen drohte. Das hat sich geändert.
Selbstredend: er ist Virtuose geblieben. Das konnte man an Domenico
Scarlattis Sonaten in d-Moll, L 422, und A-Dur, L-345, vor allem aber
auch an "La Campanella" von Franz Liszt, mit dem er seinen Abend
beschloss, erkennen. Das ist auch rechtens, Musik hat
immer auch etwas mit Technik, mit Virtuosität zu tun. Dazwischen aber
präsentierte sich ein Pianist, wie man ihn in den letzten Jahren
erahnen, aber noch nicht voll erkennen konnte. Mit der
Sonate cis-Moll, Opus 27/2, von Ludwig van Beethoven und der b-Moll
Sonate, Opus 35, von Frédéric Chopin hatte Har-Zahav Werke ausgewählt,
die jeder Musikfreund mitpfeifen kann. Gerne werden auch sie genommen, um die technischen Fähigkeiten eines Pianisten zu belegen. Beherzt
aber durchstieß Har-Zahav in Konz diese Decke der Oberflächlichkeit und
vertiefte sich in das Pathetische, glänzte mit Empathie, deutete und
interpretierte. Es war ein Erleben, ihn zu hören. Allerdings auch ein
Erleben, dass an manchen Stellen Fantasie erforderte. Bei diesem Konzert zeigte sich überdeutlich, wie wichtig die Qualität eine Instrumentes ist. Wenn
sanfter, mit äußerstem Gefühl durchgeführter Anschlag von einem Klavier
mit Schweigen beantwortet wird, hat der Pianist verloren, ohne dass er
Schuld daran trägt. Wenn Glockenklänge im hohen Diskant klirren, ist es nicht dem Künstler anzulasten, sondern seinem Werkzeug.
Entspannung
gönnte der Pianist seinen Zuhörern nach der Pause mit drei kurzen
Werken von Claude Debussy (La plus que lente, Danse, L'Isle Joueuse)
und drei Preludes von Georges Gershwin, denen allerdings leider ein
wenig der Hüftschwung fehlte.
Insgesamt war es ein herausragender Abend mit großer Musik von einem immer größer werdenden Pianisten. hpl/kie
Ruhrnachrichten, 13. Mai 2008
Konzertpianist Har-Zahav bezaubert Publikum
Von Martin Schreckenschläger
WITTEN
Auf seiner Deutschlandtournee begeisterte der Konzertpianist Menachem
Har-Zahav ein handverlesenes, zumeist eigens angereistes Publikum im
Haus Witten. Der israelisch-amerikanische Musiker erhielt seine
Ausbildung in den USA und in England. Früh schon wurden ihm
Lehrtätigkeiten im Hochschulbereich übertragen.
Die
Romantik im Mittelpunkt, reichte sein Konzertprogramm vom Spätbarock
Scarlattis bis zur zeitgenössischen Zugabe. Auf Notenblätter
verzichtete der grandiose Künstler während seines 90-minütigen
Vortrages vollständig.
Kontemplative
Ruhe ausstrahlend, offenbarte er sich als Meister effizienter, aufs
Minimum reduzierter Bewegungsabläufe. Seine Hände lagen auf den Tasten,
kaum merklich bewegten sich die Finger, und doch entlockten sie dem
Instrument glockenklar das berühmte Adagio aus Beethovens
Mondscheinsonate. Sein Fortissimo holte er locker aus dem Handgelenk.
Griffweiten waren geprägt von resoluter Technik
Erst
im Presto verließen die Hände nach effektvollem Anschlag die Tasten, um
nach verhaltenem Zögern ihre Arbeit fortzusetzen. Bei erlauchtestem
Spiel blieb Har-Zahav jede Verausgabung fremd. Ein Faszinosum! Chopins
b-moll-Sonate mit ihren großen Griffweiten war geprägt von resoluterer
Technik.
Zum
dunklen Grundrhythmus des bekannten Trauermarsches von beklommener
Ergriffenheit arbeitete er in seiner Interpretation klagende
„Aufschreie“ im Diskant heraus. Rein wie ein Kinderlied löste sich
etwas, schwebte davon, derweil die Trauergemeinde schluchzend weiter
marschierte.
Ganze Passagen spielte er mit gekreuzten Händen
Mit
den drei Preludes von Gershwin zeigte der Pianist seine Verbundenheit
zur neuen Welt: Eine Improvisation über die „Rhapsody in Blue“, ganze
Passagen gespielt mit gekreuzten Händen, schließlich eine fragende
Musik, deren Phrasen sich abwechselnd in moll und Dur auflösten.
Drei
Miniaturen von Chopin folgte „La Campanella“, die Bearbeitung eines
Konzertsatzes von Paganini durch Franz Liszt für die Tasten. Sie
erinnerte an die nur mit der linken Hand auf der Flöte gespielte
neapolitanische Straßenmusik. Mit Chopins Tarantella und einer frechen
Barock-Persiflage Peter Schickeles als Zugaben verabschiedete sich der
Mann mit der Kippa von seinem Publikum.
Rheinische Post, 21.Oktober 2008
"Teufelsgeiger" im Martinstift
MOERS
(prs) ... Mit dem aktuellen Programm ist der "Ausnahmepianist" in
vielen kleineren Häusern, aber auch in der Tonhalle Düsseldorf, im
Beethoven-Haus Bonn oder im Münchner Gasteig zu Gast. Der Pianist hat,
so ist es der Vita zu entnehmen, "die Werke der romantischen
Komponisten zum Mittelpunkt seiner Arbeit gemacht". Dennoch scheut
Menachem Har-Zahav nicht vor einem weit gespannten Programmbogen
zurück, der von Scarlatti bis Gershwin mehrere Jahrhunderte der
Musikgeschichte umfasste. Das Publikum im Kammermusiksaal erlebte einen
ernsthaften, ruhig wirkenden Künstler, der sich ohne jede Theatralik in
seine musikalische Welt vertiefte und mit höchster Konzentration
spielte, technisch souverän, gut strukturiert und ausgesprochen
energisch. [...]
Gershwins Rhapsody in Blue [...] kam
Har-Zahavs pianistischem Temperament optimal entgegen. Hier konnte er
seine immense Virtuosität in aller Brillanz ausleben, sich voller Elan
und in überwältigender Klangfülle austoben. Um so mehr überraschte die
Zartheit, die Sensibilität, die Har-Zahav in der zweiten Konzerthälfte
der Musik von Chopin und Debussy zukommen ließ.
Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung, 08. Juli 2008
Von Beethoven bis Debussy
Bad Karlshafen. Dem israelisch-amerikanischen Pianisten Menachem Har-Zahav
ist es während seines Konzertes wie bereits vor einem Jahr auf Anhieb
gelungen, sein Publikum in Bad Karlshafen mit den ersten Anschlägen von
Scarlattis d-Moll-Sonate zu faszinieren. Das schnell repetierende Thema
erklang in zahlreichen fein abgestimmten dynamischen Nuancen, die
Sonate vielschichtig klanglich ausgestaltet.
In seinem dritten Konzert in der Badestadt präsentierte Har-Zahav
ein erneut um einige Facetten erweitertes Programm. Dem bekannten
Rahmen aus Scarlatti und Beethoven am Anfang und Liszt zum Schluss
wurden am vergangenen Sonntag nun Debussy und Gershwin hinzugefügt.
Spannend vor allem, wie der Künstler einen stimmigen musikalischen
Bogen von Beethoven über Gershwin zu Debussy spannte: Für diesen Bogen
erteilte er zunächst der oft gehörten romantisch-verklärten
Interpretation des ersten Satzes der Mondscheinsonate eine Abfuhr.
Zielstrebig,
in gleichmäßigem und schnellen Tempo und ohne Bedenken, das Thema auch
einige Male bis ins Fortissimo zu steigern, verließ er das Bild der
nächtlichen Bootsfahrt, an das sich der Musikschriftsteller Ludwig
Rellstab bei der Musik erinnert fühlte und so Jahre nach Beethovens Tod
der Sonate ihren Namen gab.
Wie Har-Zahav
diesen Satz angeht, bereitet er die Zuhörer konsequent auf das Folgende
vor. Für viele der Besucher überraschend nahtlos, gestaltete Har-Zahav
dann den Übergang zur Solo-Klavierversion von George Gershwins Rhapsody
in Blue, deren klassische Formen und motivische Arbeit er zwischen den
Anleihen aus Blues und Jazzharmonik besonders hervorhob.
Fan von Chopin
Als Pianist, der sich in der Virtuosität der Klaviermusik Liszts und Chopins zuhause fühlt, begeisterte Har-Zahav
auch in diesem Genre das Publikum. Mit den kurzen Preludes "La plus que
lente", "Danse" und "L'isle Joyeuse" von Debussy endete das Programm im
Impressionismus.
Har-Zahavs Klavierfassung von
Liszts Totentanz und als Zugabe La Campanella beschlossen das Konzert.
Hatte es schon beim Pausenapplaus die Zuhörer nicht mehr auf den
Stühlen gehalten, war der Jubel nun erst recht groß.
Den
Erlös des Konzerts stellt die Musikschule Bad Karlshafen der Stadt zur
Kostendeckung der kulturellen Arbeit im Landgraf-Carl-Gebäude zur
Verfügung. (zlö)